Treffen die an verschiedenen Stellen der Probe gebildeten kristallinen Bereiche aufeinander, bilden sich, da diese Bereiche i.a. unterschiedlich orientiert sind, Grenzflächen, sog. Korngrenzen aus. Dies sind spezielle zweidimensionale Defekte des Kristallgitters. Andere flächige Defekte (also Grenzflächen), die teils anschließend behandelt werden, sind
Korngrenzen sind (atomar) scharfe Übergangsbereiche zwischen unterschiedlich orientierten Bereichen eines Kristalls. Sie können makroskopisch charakterisiert werden durch die Verdrehung der Kristallite gegeneinander ( Drehachse,- winkel -- hierfür sind drei Parameter nötig), und durch die Orientierung der Grenze selbst (Flächennormale), wofür zwei Parameter nötig sind. Das bedeutet, daß eine Korngrenze insgesamt fünf makroskopische Freiheitsgrade besitzt. Diese Freiheitsgrade werden als makroskopisch bezeichnet, da sie nur aus der Geometrie der gegeneinander verdrehten Halbkristalle folgen, aber noch nichts über die atomare Struktur der Korngrenze aussagen. Auf atomarer (oder mikroskopischer) Ebene können noch weitere Freiheitsgrade auftreten, etwa eine leichte Verschiebung der Kristallite gegeneinander oder Relaxationen der atomaren Positionen.
Darüberhinaus werden Korngrenzen noch nach anderen Kriterien klassifiziert:
Die Unterscheidung (a) wird gemacht, da Kleinwinkel-Korngrenzen sich als periodische Anordnung von Versetzungen darstellen lassen. Kleinwinkel-Kippgrenzen werden gebildet durch eine periodische Anordnung von parallelen Stufenversetzungen, Kleinwinkel-Drehgrenzen durch ein Netz von Schrauben, wobei mindestens zwei Sets nicht paralleler Schrauben benötigt werden.
Der Drehwinkel ist
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wobei
der Burgersvektor (s. Teil II der Vorlesung) der Versetzung
ist und
ihr Abstand.
Großwinkel-Korngrenzen lassen sich weiter unterscheiden. Als
''spezielle Grenzen'' bezeichnet man Grenzen, die eine große
Zahl von
gemeinsamen Gitterplätzen über beide Halbkristalle hinweg besitzen.
Das Gitter dieser gemeinsamen Plätze wird als Koinzidenzgitter
bezeichnet, der Kehrwert des Bruchteils gemeinsamer Plätze als
''
''-Wert der jeweiligen Korngrenze.
Beispiele: Für die Zwillingsgrenze, die im kubisch flächenzentrierten
Gitter entsteht, wenn man das
Kristallgitter an einer
-Ebene spiegelt,
(Stapelfolge
) ist
,
die
-Grenze
wird häufig als Zwilling 2. Ordnung bezeichnet.
Weitere häufig gefundene Grenzen sind die
- und
-Grenze2.2 Allerdings ist der
-Wert nur eine Kurzbeschreibung bestimmter
Grenzen,
im allgemeinen ist die Grenze durch seine Angabe nicht festgelegt.