Hier soll nur der Angriff oxidierender Bestandteile in flüssigen Medien
behandelt werden.
Die grundlegende Reaktion ist (Abb. 5.11)
| (5.92) |
Im Prinzip sollte der Übergang von Metallionen in den
Elektrolyten um so schneller erfolgen, je größer der Wert des
Elements in der Spannungsreihe ist (je unedler das Metall ist).
Jedoch hat man meist eine Aktivierungsbarriere zu überwinden
(,,Überspannung''), die die Verhältnisse ändern kann. Insbesondere
hat eine sehr hohe Überspannung, wird daher häufig als
Korrosionsschutz eingesetzt.
|
|
| Metall | Spannung [v] |
| 0.15 | |
| 0.16 | |
| 0.18 | |
| 0.21 | |
| 0.23 | |
| 0.48 | |
| 0.53 | |
| 0.64 | |
| 0.70 | |
| 0.78 |
Hat man mehrere Metalle im Elektrolyten, kann das unedlere
auf Kosten
des anderen in Lösung gehen, was als Lokalelement
bezeichnet wird. An dem unedleren Metall findet die
Reaktion
| (5.93) |
| (5.94) |
Edle Metalle sind deshalb als Korrosionsschutzschicht gefährlich: sobald eine Verletzung der Schicht auftritt, bildet sich ein Lokalelement das zu verstärkter Korrosion der Unterlage führt.
Andersherum nutzt man diesen Effekt in sogenannten Opferanoden bei Schiffen oder anderen Elektrolytlösungen ausgesetzten Metallkonstruktionen aus: eine Elektrode aus unedlerem Metall wird bevorzugt aufgelöst, während auf dem zu schützenden Metall eher etwas abgeschieden wird.
Dies ist auch ein weiterer Vorteil bei Verzinkungen: bei
Schäden an der
-Schicht wirkt das Lokalelement wie eine
Opferelektrode.
Ein spezieller Fall eines Lokalelements bildet sich beim Rosten von
Eisen aus; hier wirkt das Eisen gleichzeitig als Anode und als Kathode,
wenn es Wasser (insbesondere Salzwasser) unterschiedlichen Sauerstoffgehalts
ausgesetzt ist.
Im sauerstoffarmen Teil (Anode) geht nun Eisen als
in Lösung,
im sauerstoffreichen findet
die kathodische Reaktion
| (5.95) |
Die Reaktion hängt also vom Sauerstoffgehalt des Wassers ab, so daß eine Geometrie mit großen Oberflächen besonders ungünstig ist. An etwa einem Wassertropfen in einem Riß ist nahe der Oberfläche die Sauerstoffkonzentration höher als unten, gleichzeitig wird aber unten an der Rißspitze das Eisen gelöst, so daß der Riß in das Material hineinläuft.
Besonders stark greift ein korrodierendes Medium an Korngrenzen und anderen Gitterdefekten an (in der Metallographie wird dies zum Sichtbarmachen von KG und Versetzungen benutzt). Zum einen ist dort das chemische Potential häufig schon höher, zum anderen kann an Korngrenzen eine schützende Oxidschicht unterbrochen sein.
Ein weiteres technisches Problem ist die Spannungsrißkorrosion: durch eine mechanische Spannung bildet sich irgendwo ein Riß, an dem eine Schutzschicht unterbrochen sei. Nun kann an der Rißspitze das korrodierte Medium ungestört angreifen, wodurch wiederum der Riß weiterläuft.