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Leerstellendiffusion

Leerstellen sind bei $T > 0$ in Kristallen im Gleichgewicht immer vorhanden, wie folgende Abschätzung zeigt: $E_v^f$ sei die Energie, die die Bildung einer Leerstelle kostet. Andererseits gewinnt man durch Leerstellen Konfigurationsentropie

$\displaystyle S_v^f$ $\textstyle =$ $\displaystyle k \log W$  
  $\textstyle =$ $\displaystyle k\log \left({\Omega\atop N}\right)$  
  $\textstyle =$ $\displaystyle -k\Omega(c_v\log c_v + (1-c_v)\log(1-c_v))$ (5.31)

Hinzu kommt, daß sich die Schwingungsentropie $S_v^f$ erhöht. Die Gesamtkonzentration an Leerstellen ergibt sich durch Minimieren der freien Energie


$\displaystyle \Delta f(c_v)$ $\textstyle =$ $\displaystyle (E_V^f- T S_v^f)c_v + kT(c_v\log c_v +
(1-c_v)\log(1-c_v))$  
$\displaystyle {\partial \over \partial c_v}\Delta f(c_v)$ $\textstyle =$ $\displaystyle 0$  
$\displaystyle \Rightarrow \log{c_v\over 1-c_v}$ $\textstyle =$ $\displaystyle - {E_v^f-T S_v^f\over kT}$  
  $\textstyle \approx$ $\displaystyle \log c_v$  
$\displaystyle \Rightarrow c_v$ $\textstyle \approx$ $\displaystyle \exp-{E_v^f-T S_v^f\over kT}$ (5.32)

Ein typischer Wert der Leerstellenkonzentration für Reinmetalle ist $c_v = 10^{-4}$ bei $T = T_m$. Typische Bildungsenthalpien liegen in der Gegend von $E_v^f \approx 1eV$.

Der typische Diffusionssprung ist dann der Sprung eines einer Leerstelle benachbarten Atoms in diese Leerstelle.

Auch dieser Sprung erfordert eine gewisse Aktivierungsenergie $E_v^m$ (Leerstellenwanderungsenthalpie ). Die Sprungrate einer Leerstelle ist also


\begin{displaymath}
\Gamma_v=\Gamma_v^0\exp -{E_v^m\over kT}
\end{displaymath} (5.33)

Die Sprungrate eines Atoms setzt sich zusammen aus der Wahrscheinlichkeit, eine Leerstelle als Nachbarn zu haben ($= Z\cdot c_v$) und der Sprungrate der Leerstellen:

$\displaystyle \Gamma$ $\textstyle =$ $\displaystyle \Gamma_v Z c_v$  
  $\textstyle =$ $\displaystyle Z\exp-{E_v^f-T S_v^f\over kT} \exp -{E_v^m\over kT}$  
  $\textstyle =$ $\displaystyle \Gamma_0\exp-{E_{act}\over kT}$ (5.34)

mit
$\displaystyle \Gamma_0$ $\textstyle =$ $\displaystyle Z\exp{S_v^f\over k}$  
$\displaystyle E_{act}$ $\textstyle =$ $\displaystyle E_v^f + E_v^m$ (5.35)

Die Aktivierungsenergie der substitutionellen Diffusion setzt sich also zusammen aus der Bildungs- und der Wanderungsenergie der Leerstellen. Damit erklärt man auch sofort, warum die substitutionelle Diffusion erheblich höhere Aktivierungsenergien hat als die insterstitielle.


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Ferdinand Haider 2000-10-17