In Wirklichkeit ist es nicht wie bisher angenommen,
der Konzentrationsgradient, der
die Diffusion treibt (man denke an zwei nicht mischbare Metalle
wie
und
) sondern der Gradient des chemischen Potentials
5.1.
Dies gibt an, wie leicht ein Atom der Sorte
aus einer
Legierung
abzulösen ist;
je größer die Differenz der chemischen Potentiale ist und je
größer die Beweglichkeit
der
-Atome ist, desto stärker wird
der Diffusionsstrom sein:
| (5.19) |
Im Kapitel ,,Thermodynamik'' war die Aktivität
der
-Komponente in
der Legierung eingeführt
worden durch
so daß (da
konzentrationsunabhängig ist) folgt:
| (5.20) |
Dort war auch gezeigt worden, daß für geringe
-Konzentrationen
in
| (5.21) |
![]() |
|||
![]() |
|||
![]() |
(5.22) |
Damit erhalten wir für den Komponentendiffusionskoeffizienten
| (5.23) |
| (5.24) |
Für höhere B-Konzentrationen benutzt man den
Aktivitätskoeffizienten
| (5.25) |
![]() |
|||
![]() |
|||
![]() |
(5.26) |
| (5.27) |
![]() |
(5.28) |
Der Term in der Klammer wird als thermodynamischer Faktor bezeichnet. Er gibt an,wie sich der Diffusionskoeffizient durch Bindungen zwischen den A-Atomen und B-Atomen verändert.
Im Modell der regulären Lösung war
![]() |
![]() |
||
![]() |
(5.29) |
![]() |
Für ein mischendes System (
)
ist die chemische Diffusion mit
zunehmender B-Konzentration also beschleunigt, während sie für
ein entmischendes zunächst gebremst wird. Für tiefe
Temperaturen kann der thermodynamische Faktor sogar negativ werden,
der Diffusionskoeffizient also ebenfalls.
Dies bedeutet, daß die Diffusion nun Konzentrationsunterschiede
nicht abbaut sondern verstärkt; es findet eine Bergaufdiffusion
statt. Dies ist allerdingsfür ein entmischendes System nicht
erstaunlich; es spiegelt gerade den thermodynamischen Aspekt
der Diffusion in konzentrierten Legierungen wider.
Dies Phänomen der Bergaufdiffusion wird in der Diskussion der spinodalen Entmischung noch wichtig sein.
Eine weitere Konsequenz dieser Überlegung ist, daß durch
Diffusion keine Zweiphasengebiete entstehen können.
Dies versteht man sofort, wenn man den Verlauf des chemischen
Potentials über der Konzentration betrachtet
Im Zweiphasengebiet ist
konstant, d.h. findet keine
Diffusion statt. An der Phasengrenze sind die chemischen
Potentiale gleich, die Konzentration springt dort von
auf