Wie läßt sich die Vielfalt möglicher Phasendiagramme thermodynamisch begründen und systematisieren?
Wir haben eine Ansammlung von Atomen in einem Volumen, die miteinander wechselwirken und die (in gewissen Grenzen und über Mechanismen, die später diskutiert werden) ihre Anordnung verändern können. Welches ist die stabile (=Gleichgewichts-) Konfiguration, die eingenommen wird?
Aus der Thermodynamik wissen wir, daß für
| (3.1) | |||
| (3.2) |
Da der Term
im Festkörper meist klein ist, ist
.
Läßt man Atomaustausch mit einem Reservoir zu (großkanonische Gesamtheit),
sind
die Differentiale von
und
:
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(3.3) | ||
![]() |
(3.4) |
bzw. wegen
| (3.5) | |||
| (3.6) |
wird als ''chemisches Potential'' bezeichnet. Es ist die freie
Energie, die man aufwenden muß, um ein i-Atom
in die jeweilige Phase zu bringen.
3.1
Bei vorgegebenem T, p (
),liegt Gleichgewicht vor, wenn
| (3.8) |
| (3.9) |
Anstelle eines Reservoirs können auch
verschiedene Phasen (
), die die gleichen (insgesamt
)
Atomsorten (
) in unterschiedlicher Zusammensetzung enthalten,
miteinander in
Kontakt stehen und Atome austauschen. Dieser Austausch führt ebenfalls auf ein
Gleichgewicht, nur daß nun die Gleichgewichtsbedingung für alle Phasen
zusammen gelten muß
| (3.11) |
| (3.13) |
Dies läßt sich auch anschaulich verstehen: das chemische Potential
der Atomsorte
in der Phase
ist
die freie Energie pro Atom, die man gewinnt oder aufwenden muß, um ein Atom herauszulösen
oder hinzuzufügen. Gleichheit der chemischen Potentiale in den verschiedenen
Phasen bedeutet, daß es gleichviel freie Energie kostet, die Atome von Phase
nach
zu transferieren wie umgekehrt, daß also im Mittel kein
Transport von der einen Phase in die andere mehr stattfindet.
Beispiel: 2 Komponenten
, 2 Phasen
:
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