Eine andere Betrachtungsweise liefert der Rückgriff auf das Kapitel über Diffusion: der thermodynamische Faktor
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(7.59) |
Wie gezeigt wurde, kann der thermodynamische Faktor negativ werden,
was zur Bergaufdiffusion, also zum spontanen Ansteigen (statt dem normalen Abklingen) von Konzentrationsfluktuationen führen. Die Bedingung, daß
ist, ist aber genau dann erfüllt, wenn die obige Gleichung 7.58 gilt.
Beide Betrachtungen sind also gleichwertig.
Hier soll nun untersucht
werden, welche
Fluktuationen der Konzentration am schnellsten anwachsen, d.h.
was für eine Mikrostruktur erwartet wird. Dazu führen Cahn und
Hilliard eine lokale freie Energiedichte
(hier und im
folgenden soll statt
einfach immer
benutzt werden)
ein, so daß einem
Konzentrationsprofil
eine freie Energie
| (7.60) |
Die Gradientenenergie entspricht einer Grenzflächenenergie, wie
sie etwa im Beckerschen Modell hergeleitet wurde:
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(7.61) |
Damit wird die freie Energie
Hinzu kommt gegebenenfalls ein Beitrag von elastischen
Verzerrungen,
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(7.63) |
Gleichung 7.62 wird also
| (7.65) |
| (7.66) |
| (7.67) |
Ohne Gradienten- und elastischen Term ist diese Bedingung
| (7.68) |
Daher setzt man für den Diffusionsstrom
| (7.69) |
Die Beweglichkeit hängt wie vorher mit dem
Diffusionskoeffizienten zusammen
Einsetzen von
ergibt
| (7.70) |
Es gilt die Kontinuitätsgleichung
Sofern die dritte Ableitung genügend klein ist, kann der nichtlineare erste Term vernachlässigt werden, so daß die linearisierte Gleichung analysiert werden kann.
Wir betrachten eine kleine periodische Modulation der Ausgangskonzentration
und sehen nach, ob diese zeitlich anwächst oder gedämpft wird. Dazu machen wir
den Ansatz
| (7.72) |
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(7.73) |
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(7.74) |
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Außerhalb der Spinodalen (
) wird, wie erwartet, jede
Fluktuation exponentiell gedämpft (
). Innerhalb der
Spinodalen jedoch, (
), gibt es Fluktuationen, die
exponentiell anwachsen! Allerdings sorgt der zweite Term
dafür, daß zu kurze Wellenlängen (große
) wieder gedämpft
werden. Der dritte Term, der Anteil der elastischen
Verzerrungen, sorgt schließlich dafür, daß spinodale
Entmischung erst bei stark negativem
auftritt (Abb. 7.2).
wächst daher an für
, wobei
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(7.75) |
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(7.76) |
Anders als in manchen Lehrbüchern behauptet, stehen für entscheidende Folgerungen der Cahn-Hilliard-Theorie experimentelle Beweise noch aus:
Der wesentliche Mangel der Theorie ist die Linearisierung,
d.h.die Vernachlässigung höherer Ableitung in
.
Allerdings ist es wohl unstrittig, daß es zwei Grenzfälle in der Entmischung gibt, die spinodale bei hoher Übersättigung und Keimbildung+Wachstum bei geringer. Sie unterscheiden sich durch das anfängliche Konzentrationsprofil: bei Keimbildung sollte sehr rasch die Endkonzentration erreicht sein, während in einem spinodalen Mechanismus die Konzentration langsam anwächst. Führt man eine numerische Integration der nicht linearisierten Cahn-Hilliard-Gleichung, findet man für den Bereich außerhalb der Spinodalen ein Anwachsen sehr scharf begrenzter Konzentrationsfluktuationen, die als Ausscheidungen bezeichnet werden könnten.